Kreditausfall und die Geschichte des Geldes

13 März, 2014

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Kreditausfall

und die Geschichte des Geldes

Artikel von Prof. Dr. Franz Hörmann

Ein Prozeß vor einem Landgericht in Deutschland war Anlaß für die Erstellung eines Privatgutachtens, welches nunmehr in anonymisierter Form auch im Internet öffentlich zugänglich ist(1): „Argumente gegen die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Schadens von Banken bei Kreditausfällen aufgrund der buchtechnischen Geldschöpfung“. ...

Darin wird ernsthaft behauptet, daß Banken, die Kredite vergeben und diese danach nicht mehr zurück erhalten, dadurch keinen (nennenswerten) wirtschaftlichen Schaden erleiden. Erstellt wurde es von einem Professor für Unternehmensrechnung an der Wirtschaftsuniversität Wien(2). Wie ist so etwas überhaupt möglich?

campusUm die hier angesprochenen Zusammenhänge zu verstehen ist es zunächst erforderlich, sich über die Geschichte des Geldes im Detail zu informieren(3). In dem Werk „Schulden: Die ersten 5000 Jahre“ (im englischen Original: „Debt: The First 5.000 Years“) zeigt der Anthropologe David Graeber, daß Geld am Anfang der menschlichen Kultur als verzinste Schuld erschaffen wurde: Hirten liehen sich Schafsherden oder Ackerbauern Felder von deren Eigentümern aus und gaben sie nach längerer Zeit diesen wieder zurück – mit den neugeborenen Lämmern bzw. den darauf gewachsenen Feldfrüchten, dem sogenannten „Naturalzins“, also dem, was in der Natur von alleine wächst. Diese Art der „Verzinsung des Kapitals“ konnte also durchaus „erwirtschaftet“ werden, es wuchs sogar von selbst.

graeberMathematische Formeln, welche diesen Vorgang beschreiben, sind daher Erklärungsmodelle, die darlegen, was in der Natur geschieht. Erst mit der geistigen Übertragung dieses Modells auf (tote!) Goldstücke (die ja bekanntlich keine „Nachkommen zeugen“) und der Vorgabe einer Verzinsung durch eine Zinseszinsformel, mit der Erfindung der Wirtschaftswissenschaften als „normativer Wissenschaft“, einer „Wissenschaft, die den Menschen Regeln vorschreibt“, begannen unser aller Probleme.

Geld hat also seine historischen Wurzeln in einer verzinsten Schuld, und erst viel später entstand die Idee vom „Geld als Tauschmittel“. Diese Erfindung fand angeblich in einem Tempel statt. Die Priester ließen sich von der Landbevölkerung ernähren und übergaben jedem Bauern, der ihnen ein Büschel Weizen brachte, eine kleines goldenes Amulett mit dem Abbild eines ihrer Götter. Diese Medaillen waren damals noch kein allgemeines Tauschmittel, sondern Andenken mit Erinnerungswert. Dennoch merkten die Priester, daß ihre Goldvorräte schwanden, sollten sie diese Praxis auch weiter beibehalten. Daher mußte eine Methode ersonnen werden, wie sie ihrerseits wieder in den Besitz dieser Medaillons kommen konnten. Sie kamen auf die Idee den Bauern vorzuschlagen, mit einer der jungen Priesterinnen der Fruchtbarkeitsgöttin einen „rituellen Beischlaf“ zu vollziehen, damit im nächsten Jahr ihre Äcker fruchtbar würden, und dafür das Medaillon wieder zurückzugeben.

muenzenAus dieser Legende leitet sich die alttestamentarische Formulierung „Tempelhuren“ ab sowie der Spruch „Geld war in der Sünde geboren“. Es ist eine Tatsache, daß die ersten Münzen des danach etablierten Tauschgeldes die Abbilder von Göttern aufwiesen und auch die Münzprägung in der Hand der Priester lag. Im alten Rom geschah dies im Tempel der Göttin „Juno Moneta“ (von der sich auch der Wortstamm für „monetär“, „money“ etc. ableitet). Julius Cäsar war wohl der erste Politiker, der den Versuch unternahm, die Münzprägung von der religiösen in die weltlich- politische Sphäre zu übertragen. Zu diesem Zweck musste er sich jedoch zum höchsten Oberpriester weihen lassen, ein Umstand, der wie einige Historiker meinen, durchaus zu seiner späteren Ermordung beigetragen haben könnte, da seine Gegner diesen Akt vielleicht weniger mit seinem kühlen Geschäftssinn sondern eher mit einem ins Religiöse ausufernden Größenwahn in Verbindung brachten.

Jedenfalls haben auch seine Mörder und späteren Nachfolger dann die „politische Geldschöpfung“ beibehalten und seit Julius Cäsar war die Münzprägung (damals noch die einzige Form der Geldschöpfung) Sache der Politik und nicht mehr der Religion bzw. der Priester.

 

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Ausgabe Wirtschaft Macht Politik 43 / 346

 

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