Alte Kulturen 6/361 - Editorial

04 Januar, 2015
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Ausgabe 6/361

Liebe Leserin, lieber Leser,

nachdem die USA immer weiter und wiederholt versuchen, die Weltpolitik für ihre Zwecke zu beeinflussen, möchte ich noch einmal an den auf Lügen aufgebauten Irakkrieg erinnern, in dem nicht nur ein Volk in Elend und Tod gestürzt wurde, sondern auch ein jahrtausende altes kulturelles Erbe zerstört oder geraubt wurde. Der irakische Archäologe und Architekt Ihsan Fathi zeigt sich darüber hinaus überzeugt, daß neben den Tausenden während des Krieges gestohlener oder auf andere Weise illegal angeeigneter kultureller Schätze Werte in Milliardenhöhe aus der irakischen Zentralbank ohne jegliche schriftliche Dokumentation in die USA geschafft worden sind, die dort bis heute in Archiven gelagert werden.

Darunter befinden sich große Mengen an Dokumenten mit enormer historischer Bedeutung, deren Wert in Geld nicht zu bestimmen ist, die die USA an sich genommen haben. Ein ausführliches Interview mit Ihsan Fathi finden Sie in dieser Ausgabe auf Seite 36.
Die Region, die heute den Irak bildet, gehört zu den wichtigsten Ursprüngen der menschlichen Zivilisation. Einige historische Monumente und Stätten sind mehr als 10.000 Jahre alt. Und leider steht der Irak heute an der Spitze der Länder, was die Zerstörung historischer Stätten angeht. Die ersten Zerstörungen erfolgten bereits 1258 im Zuge des Einfalls der Mongolen und setzen sich ungebrochen bis zur Besetzung 1991 fort, als die Amerikaner die Vorstädte von Hilla erreichten. Viele der Museen der Stadt wurden geplündert, und die amerikanischen Streitkräfte unternahmen nichts, um das zu verhindern. Aber bei der Invasion 2003 waren die Schäden noch gravierender. In der Resolution des UN-Sicherheitsrats 1483, die am 22. Mai 2003 verabschiedet wurde, werden die internationalen Militäreinheiten im Irak als „Besatzungsmächte“ bezeichnet.

Dies war der offizielle Status der internationalen Koalitionsstreitmacht. Vor der Besetzung hatten einige internationale Organisationen, darunter auch diejenigen, die für den Schutz und Erhalt der archäologischen Stätten verantwortlich waren, die USA und die Regierung unter Präsident George W. Bush darüber informiert, daß sich das kulturelle und geschichtliche Erbe aufgrund der jüngsten Entwicklungen in einem beklagenswerten Zustand befinde. Dennoch haben die USA die Plünderung und Zerstörung einzigartiger irakischer Kulturgüter zugelassen oder vielleicht sogar angestachelt. Ein genauer Überblick ist bis heute nur schwer zu gewinnen, denn die Personen, die für die irakischen Museen verantwortlich waren, hatten keine detaillierten Verzeichnisse oder Kataloge zur Verfügung, in denen alle kulturellen und historischen Monumente oder Gegenstände aufgeführt wären.

Dies gilt insbesondere für das irakische Nationalmuseum in Bagdad, das als eines der weltweit größten und wichtigsten Museen gilt. In den Museen sollte zwar alljährlich eine Bestandsaufnahme stattfinden, aber leider wurden diese Inventuren entweder gar nicht oder nur unvollständig durchgeführt.
Aus diesem Grunde ist die genaue Anzahl der gestohlenen Kulturgegenstände unbekannt. Zusätzlich verschwanden ebenfalls große Mengen der Währungsreserven. Die Zentralbank des Landes und andere Banken bewahrten Milliarden von Dollar auf, aber alle diese Gelder wurden ohne jegliche Dokumentation in die USA geschafft.

Bisher sind alle Versuche der irakischen Regierung, die gestohlenen Schätze wieder ausgehändigt zu bekommen, gescheitert. Die irakische Regierung hat versucht, sie wieder zurückzubekommen, aber die amerikanische Regierung schlug einen Handel vor und hat nur die Hälfte der Dokumente zurückgegeben.

Ingrid Schlotterbeck
November 2014


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