Mysteriöse Winter-Phänomene

14 Oktober, 2014

Forscher erklären Geheimnis der Eiskreise

Mysteriöse Winter-Phänomene

Ein immer wiederkehrendes winterliches Rätsel erstaunt Wissenschaftler: Auf vielen Gewässern bilden sich kreisrunde Eisschollen, manche sind Tausende Meter groß. Russische Forscher haben jetzt eine erstaunliche Erklärung für die runden Giganten gefunden. „Sehr mysteriös…“, notierte ein russischer Naturforscher im 19. Jahrhundert, als er die seltsamen Phänomene auf dem zugefrorenen Baikalsee begutachtete: Meterhohe weiße Schlote aus Eis erheben sich dort im Winter aus dem Gewässer.

Wie sie sich bilden, ist bis heute ungeklärt. Immer wieder brechen tiefe Risse in die eisige Seeoberfläche, so als ob Wellen das Eis spalten würden – aber Wasser gelangt nicht nach oben. Die Klüfte schließen sich mit lautem Krachen; es klinge wie Kanonenfeuer, schrieb ein Eiskundler 1882. 121 Jahre später, im Frühjahr 2003, entdeckten Forscher auf Satellitenbildern ein weiteres Mysterium auf dem zugefrorenen Baikalsee: Kilometerbreite Kreise aus Eis zeichneten sich ab. „Ungewöhnliche Ringstrukturen“, staunten Wissenschaftler. Sie sahen sich Satellitenfotos aus anderen Jahren an, auch darauf erkannten sie die Ringe. Das Phänomen trete im Spätwinter auf, berichtet Nikolay Granin vom Limnologischen Institut in Irkutsk. Wie immer, wenn die Wissenschaft nicht weiter weiß, boten sich abwegige Deutungen an: Blieben – wie bei den berühmten Kornkreisen – wirklich nur Außerirdische als Verdächtige? Nikolay Granin meint, den Spekulationen jetzt ein Ende bereiten zu können. Nachdem Satellitenbilder einen stattlichen Eiskreis auf dem Baikalsee gezeigt hatten, machte sich Granin mit Kollegen auf, das Phänomen vor Ort zu untersuchen. Drei Tage später stießen die Geoforscher einen Bohrer in den Eiskreis – das Gerät schälte mehrere Eisstangen heraus. Die erste überraschende Entdeckung war, dass das Eis am Rande des Rings dünner war als im Zentrum. Temperatur- und Strömungsmessungen im Wasser unter der gefrorenen Oberfläche brachten einen weiteren wichtigen Hinweis: Strudel unterwandern die Eiskreise. Am Rand der Kreise erreichen die Wirbel ihre größte Geschwindigkeit. Durch die Turbulenz bildeten sich die dunklen Ringe, folgerte Granin: Das Eis werde am Rand der Kreise schneller zerstört als im Zentrum – Wasser dringe in die Risse, es verdunkle das Eis. Eine entscheidende Frage blieb aber zunächst offen: Warum gab es solche ominösen Strudel im Baikalsee? Offenbar verursachten mächtige Gaseruptionen am Grund des Sees die Wirbel, meint Granin. Im Boden des Baikalsees wurden Erdgas-Vorkommen entdeckt. Teilweise liegen sie eingeschlossen in Eisklumpen. Zudem brodelten im Seegrund sogenannte Schlammvulkane, die neben Schlick auch Gas hervorstießen. Die Theorie der russischen Wissenschaftler erscheine plausibel, bestätigt die Umweltforscherin Marianne Moore vom Wellesley College im US-Bundesstaat Massachusetts: Das Erdgas schieße vermutlich mit warmem Wasser aus dem Boden und werde beim Aufstieg in Drehung versetzt – ganz ähnlich wie bei einem Tornado. Die Wirbel erzeugten schließlich die Eiskreise. Die Erforschung des Naturphänomens hat nun ernste Konsequenzen für die Schifffahrt auf dem Baikalsee. Die russische Regierung warnte Kapitäne vor den Orten, an denen sich Eiskreise gebildet hatten. An diesen Stellen gebe es die Gefahr, dass Erdgas-Wolken sich entflammten, wenn sie mit offenem Feuer in Berührung kämen.

Quelle: Magazin2000plus, UFOs & Kornkreise, NR. 359

 

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